
Für Aktien gibt es eine Börse. Wer wissen will, was eine Aktie kostet, schaut an einen Ort, und dort steht eine Zahl. Für Währungen gibt es das nicht — und deshalb sind die Antworten auf „was kostet der Franken" so unterschiedlich, je nachdem, wen man fragt.
Es gibt keinen Handelsplatz
Der Devisenmarkt ist ein außerbörslicher Markt. Es gibt kein Gebäude, kein zentrales Orderbuch und keine Schlussglocke. Es gibt Banken, die untereinander und mit ihren Kunden Geschäfte abschließen, über elektronische Handelsplattformen und, bei großen Beträgen, auch heute noch im direkten Kontakt.
Der Markt läuft rund um die Uhr, von Montagmorgen in Sydney bis Freitagabend in New York. Die stärksten Umsätze fallen in die Stunden, in denen London und New York gleichzeitig geöffnet haben — am frühen Nachmittag mitteleuropäischer Zeit. Zu dieser Zeit sind die Abstände zwischen Kauf- und Verkaufsgeboten am engsten, weil die meisten Gegenparteien da sind.
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich erhebt die Größe dieses Marktes alle drei Jahre. Für April 2022 kam sie auf einen Umsatz von rund 7,5 Billionen US-Dollar pro Tag. Der Dollar stand auf einer Seite von etwa 88 Prozent aller Geschäfte, der Euro auf einer Seite von rund 31 Prozent.
Wer tatsächlich handelt
Der weitaus größte Teil dieser Summe hat mit Reisen oder Warenhandel nichts zu tun:
- Banken untereinander. Eine Bank, die morgens Franken an Kunden verkauft hat, muss ihre Position abends wieder ausgleichen. Dieser Ausgleichshandel macht den Löwenanteil des Volumens aus.
- Unternehmen. Ein deutscher Maschinenbauer, der in Dollar fakturiert, verkauft laufend Dollar gegen Euro. Ein Importeur tut das Gegenteil.
- Fonds und Vermögensverwalter. Wer amerikanische Anleihen kauft, braucht zuerst Dollar — die Währungsseite ist ein Nebenprodukt der Anlageentscheidung.
- Zentralbanken. Selten, aber mit Gewicht, wenn sie es tun.
- Spekulanten. Sie sind nicht die Mehrheit, aber sie sorgen dafür, dass jederzeit jemand auf der anderen Seite steht.
Privatpersonen, die für eine Reise wechseln, kommen in dieser Rechnung praktisch nicht vor. Der Kurs, den sie am Schalter bekommen, ist ein Abfallprodukt der obigen Ebenen.
Wie aus vielen Geboten eine Zahl wird
Jeder Händler, der handeln will, nennt zwei Preise: einen, zu dem er kauft, und einen, zu dem er verkauft. Ein Gebot für Euro-Franken sieht aus wie 0,9360 zu 0,9362 — kaufen zu 0,9360, verkaufen zu 0,9362 (angenommene Zahlen zur Veranschaulichung).
Der Abstand zwischen beiden ist der Spread. Auf dieser Ebene ist er winzig, oft der zweite Zehntausendstel. Er wird breiter, wenn wenige handeln — nachts, an Feiertagen, in den Minuten um eine Zinsentscheidung.
Der Mittelkurs, den Sie in jeder Tabelle sehen, ist die Mitte zwischen den besten Geboten beider Seiten. Er ist eine Rechengröße. Zu ihm handelt niemand, auch keine Bank.
Warum es nicht einen Kurs gibt
Weil es keinen zentralen Ort gibt, gibt es auch keinen zentralen Preis. Zu jedem Zeitpunkt sind mehrere Kurse gleichzeitig richtig:
- Verschiedene Handelsplattformen zeigen leicht verschiedene Zahlen, je nachdem, wer dort seine Gebote einstellt.
- Große Beträge bekommen bessere Kurse als kleine, weil die Abwicklung dieselben Kosten hat.
- Ein Geschäft mit sofortiger Erfüllung hat einen anderen Preis als eines in drei Monaten.
Die Unterschiede sind auf der Interbankenebene klein — die dritte, vierte Nachkommastelle. Sie werden erst dort groß, wo die Kette beim Endkunden ankommt.
Was ein Referenzkurs dann eigentlich ist
Weil es keinen amtlichen Preis gibt, schaffen Zentralbanken einen künstlichen Fixpunkt. Die Europäische Zentralbank stimmt sich an jedem Bankarbeitstag gegen 14.15 Uhr mit anderen Zentralbanken ab und veröffentlicht die Referenzkurse gegen 16.00 Uhr MEZ.
Das ist ausdrücklich eine Momentaufnahme eines einzigen Zeitpunkts, kein Tagesdurchschnitt und kein Angebot. Sie existiert, damit Verträge, Zollanmeldungen und Bilanzen sich auf dieselbe Zahl beziehen können. Was der Markt um 17.30 Uhr macht, steht bis zum nächsten Werktag nirgends in dieser Tabelle.
Die Kette bis zum Schalter
Zwischen dem Interbankenkurs und dem Preis im Schaufenster liegen mehrere Stufen, und jede legt etwas drauf:
| Ebene | Typischer Abstand zum Mittelkurs |
|---|---|
| Interbankenhandel, große Beträge | Bruchteile eines Zehntelprozents |
| Firmenkunde bei seiner Hausbank | einige Zehntelprozent |
| Kartenzahlung im Ausland | rund ein bis zwei Prozent |
| Wechselstube in der Innenstadt | ein bis drei Prozent |
| Flughafenschalter | oft deutlich mehr |
Diese Aufschläge sind keine Willkür. Bargeld muss beschafft, versichert, gezählt und gelagert werden; kleine Beträge kosten in der Abwicklung dasselbe wie große. Aber sie erklären, warum die Zahl aus den Nachrichten und die Zahl am Schalter selten übereinstimmen — und warum der Vergleich immer gegen den Referenzkurs geführt werden sollte, nicht gegen ein anderes Angebot.
Die aktuellen Referenzkurse stehen in der Währungsübersicht, der Währungsrechner rechnet einen konkreten Betrag dagegen, und warum der Mittelkurs kein Preis ist, steht ausführlicher unter Was der Mittelkurs ist.
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Häufige Fragen
Über das, was zwischen dem Referenzkurs und Ihrem Kontoauszug passiert: wie die EZB-Liste entsteht, warum das Kartensystem einen anderen Kurs abrechnet, was die dynamische Währungsumrechnung am Terminal kostet, wie sich Reisekosten in Franken oder Złoty planen lassen und wie abgeleitete Kreuzkurse zustande kommen. Wir rechnen die Beispiele mit echten Zahlen durch.
Nein. Die Texte erklären Mechanismen und rechnen Beispiele vor, sie empfehlen keine Entscheidung und prognostizieren keinen Kurs — schon deshalb nicht, weil die EZB je Arbeitstag nur einen einzigen Referenzkurs veröffentlicht und daraus keine Prognose folgt. Wir sind weder Bank noch Wertpapierunternehmen noch Finanzberatung. Für Entscheidungen über Kredite, Anlagen oder größere Umtauschgeschäfte sprechen Sie bitte mit Ihrer Bank oder einer zugelassenen Fachperson.
Ohne festen Zeitplan. Ein neuer Text entsteht, wenn es etwas Konkretes zu erklären gibt; bestehende Texte ergänzen wir, sobald sich Regeln oder Zahlen ändern — etwa wenn die EZB eine Währung aus ihrer Liste nimmt. Das Datum der letzten Änderung steht an jedem Beitrag, damit Sie sehen, auf welchem Stand er ist.