
In vielen Kurstabellen sieht eine Spalte aus, als gehörte sie nicht dazu. Neben dem Yen, dem Forint oder dem Won steht eine kleine Zahl — 100, manchmal 1.000 —, wo andere Währungen eine 1 haben.
Diese Zahl ist die Währungseinheit, auf die sich der Kurs bezieht. Sie ist die am häufigsten falsch gelesene Angabe in jedem Kurszettel.
Was sie bedeutet
Ein Wechselkurs ist ein Preis: wie viel man von einer Währung für eine andere bekommt. Bei den meisten Paaren wird dieser Preis je Einheit genannt — ein Euro, ein Franken, ein Pfund.
Bei Währungen mit sehr kleinem Einheitswert führt das zu Zahlen, die schwer zu lesen und schwer zu setzen sind. Ein japanischer Yen ist deutlich weniger als ein Eurocent wert. Auf die üblichen vier Nachkommastellen gebracht, wären die meisten aussagekräftigen Ziffern Nullen.
Deshalb wird der Preis von 100 Einheiten notiert. Die Zahl in der Tabelle ist der Preis für hundert Yen, nicht für einen.
Zwei Notierungsrichtungen
Der Euro macht es einem an dieser Stelle leichter, als es klingt. Die EZB veröffentlicht ihre Referenzkurse in Mengennotierung: wie viele Einheiten Fremdwährung ein Euro kostet. Da steht dann 1 EUR = 172,45 JPY, und eine Währungseinheit von 100 kommt gar nicht vor.
Vor 1999 war es in Deutschland umgekehrt. Die D-Mark wurde in Preisnotierung geführt — wie viel Mark hundert Yen kosten —, und genau daher stammt die Gewohnheit, kleine Währungen je 100 Einheiten zu notieren. Diese Schreibweise lebt in vielen Kurszetteln von Zentralbanken außerhalb der Eurozone bis heute weiter, ebenso in Sortenkursen von Banken und Wechselstuben.
Praktisch heißt das: Wer nur EZB-Kurse liest, trifft das Problem selten. Wer eine Wechselstube, eine Bank oder eine ausländische Zentralbank vergleicht, trifft es regelmäßig.
Wo es schiefgeht
Das ist der häufigste Fehler in Währungsrechnern, und er ist unsichtbar: Das Ergebnis sieht völlig plausibel aus, es ist nur um den Faktor hundert falsch.
Ein Rechner, der die veröffentlichte Zahl als Preis einer einzigen Einheit behandelt, sagt jemandem, 10.000 Yen seien das Hundertfache dessen wert, was sie wirklich sind. Es bricht nichts ab, es sieht nichts kaputt aus. Die Zahl ist einfach falsch.
Dasselbe gilt für den ungarischen Forint, den koreanischen Won, die indonesische Rupiah und — historisch — für einige Währungen, die es nicht mehr gibt.
Beim Forint fällt es besonders leicht, weil das Ergebnis auch bei falschem Faktor noch nach einem realistischen Reisebudget aussieht: 100.000 HUF sind grob 250 Euro, nicht 25.000.
Wie man eine Tabelle richtig liest
Drei Fragen, in dieser Reihenfolge:
- Auf wie viele Einheiten bezieht sich der Kurs? Steht in der Spalte 100, ist der gezeigte Preis der für hundert Einheiten.
- In welche Richtung wird notiert? Manche Quellen veröffentlichen „so viel Fremdwährung je Euro", andere „so viel Euro je Einheit Fremdwährung". Die beiden Werte sind Kehrwerte voneinander; wer sie verwechselt, dreht das Ergebnis um.
- Ist es ein Mittelkurs oder ein handelbarer Preis? Referenzkurse der Zentralbanken sind weder An- noch Verkauf — zu ihnen tauscht niemand.
Eine schnelle Gegenprobe hilft bei allen drei Punkten: Rechnen Sie einen Betrag um, dessen Größenordnung Sie kennen. Ein Kaffee in Prag kostet um die 60 CZK und nicht 6 oder 600; ein Mittagessen in Tokio liegt bei etwa 1.000 JPY. Wenn das Ergebnis um eine Zehnerpotenz danebenliegt, sieht man es sofort.
Warum es die Währungseinheit noch gibt
Sie ist ein Überbleibsel gedruckter Kurslisten, in denen die Spaltenbreite eine physische Grenze war, und sie hält sich, weil eine Umstellung jedes System bräche, das diese Listen seit Jahrzehnten einliest.
Es gibt auch ein praktisches Argument. Ein Kurs je 100 Einheiten bewegt sich in Zahlen, die ein Mensch im Kopf behalten kann. Je einzelner Einheit passiert dieselbe Bewegung in der fünften Nachkommastelle, wo sie niemand sieht.
Wie wir damit umgehen
Jeder Kurs auf dieser Seite trägt seine Währungseinheit mit sich, und jede Umrechnung teilt zuerst durch diese Einheit, bevor irgendetwas anderes geschieht. Der als Kurs angezeigte Wert ist immer der Preis einer Einheit, unabhängig davon, wie die Quelle ihn veröffentlicht hat — und dieses Verhalten deckt ein automatischer Test ab, gerade weil es die Art Fehler ist, die stillschweigend in Produktion geht.
Wer die Einheiten selbst nachsehen will, findet sie in der Währungsübersicht; der Währungsrechner rechnet bereits je Einheit.
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Häufige Fragen
Über das, was zwischen dem Referenzkurs und Ihrem Kontoauszug passiert: wie die EZB-Liste entsteht, warum das Kartensystem einen anderen Kurs abrechnet, was die dynamische Währungsumrechnung am Terminal kostet, wie sich Reisekosten in Franken oder Złoty planen lassen und wie abgeleitete Kreuzkurse zustande kommen. Wir rechnen die Beispiele mit echten Zahlen durch.
Nein. Die Texte erklären Mechanismen und rechnen Beispiele vor, sie empfehlen keine Entscheidung und prognostizieren keinen Kurs — schon deshalb nicht, weil die EZB je Arbeitstag nur einen einzigen Referenzkurs veröffentlicht und daraus keine Prognose folgt. Wir sind weder Bank noch Wertpapierunternehmen noch Finanzberatung. Für Entscheidungen über Kredite, Anlagen oder größere Umtauschgeschäfte sprechen Sie bitte mit Ihrer Bank oder einer zugelassenen Fachperson.
Ohne festen Zeitplan. Ein neuer Text entsteht, wenn es etwas Konkretes zu erklären gibt; bestehende Texte ergänzen wir, sobald sich Regeln oder Zahlen ändern — etwa wenn die EZB eine Währung aus ihrer Liste nimmt. Das Datum der letzten Änderung steht an jedem Beitrag, damit Sie sehen, auf welchem Stand er ist.