
Eine Kurstabelle sieht aus wie eine Liste von Zahlen. Tatsächlich ist sie ein kleines Formular mit fünf Angaben, und vier davon stehen im Kleingedruckten. Wer sie überliest, rechnet nicht ungenau — er rechnet mit einer anderen Zahl, als er glaubt.
Erstens: Wer veröffentlicht das
Die erste Frage ist, wessen Tabelle Sie vor sich haben, denn davon hängt ab, ob überhaupt jemand zu diesen Kursen handelt.
- Eine Zentralbank veröffentlicht Referenzkurse. Sie sind Maßstab für Verträge, Zoll und Buchhaltung. Niemand tauscht zu ihnen.
- Eine Bank veröffentlicht ihre eigenen An- und Verkaufskurse, meist getrennt nach Devisen und Sorten.
- Eine Wechselstube veröffentlicht nur Sortenkurse, oft nur für eine Handvoll Währungen.
Die Kurse einer Zentralbank und einer Wechselstube am selben Tag zu vergleichen, ist keine Preisrecherche — es ist die Messung des Aufschlags. Das ist eine nützliche Zahl, aber eine andere als die, die die meisten suchen.
Zweitens: Welche Spalte gilt für Sie
Eine Zentralbanktabelle hat oft nur eine Kursspalte. Eine Bank hat mindestens zwei, häufig vier.
- Ankauf — der Anbieter kauft, Sie verkaufen. Die niedrigere der beiden Zahlen.
- Verkauf — der Anbieter verkauft, Sie kaufen. Die höhere.
- Steht zusätzlich Devisen und Sorten in den Überschriften: Devisen sind Buchgeld auf dem Konto, Sorten sind Bargeld. Die Sortenkurse sind immer die schlechteren.
Alle Bezeichnungen sind aus Sicht des Anbieters geschrieben, nie aus Ihrer. Wer Bargeld mitbringt und wechseln will, liest Ankauf, Sorten — das ist in einer Vierspaltentabelle die ungünstigste Zahl von allen, und sie steht selten dort, wo der Blick zuerst hinfällt.
Drittens: In welche Richtung wird notiert
Es gibt zwei Möglichkeiten, denselben Preis zu schreiben, und sie sind Kehrwerte voneinander.
- Mengennotierung: wie viele Einheiten Fremdwährung ein Euro kostet. So veröffentlicht die Europäische Zentralbank — 1 EUR = 0,94 CHF ist in dieser Schreibweise gemeint.
- Preisnotierung: wie viele Euro eine Einheit Fremdwährung kostet. So schreiben viele Banken und Wechselstuben ihre Sortenkurse.
Für den Euro-Raum ist die Mengennotierung der Standard, aber Sie treffen beide, und bei Kursen nahe 1 sieht man den Unterschied nicht auf den ersten Blick. Ein Wert von 0,94 und einer von 1,06 können denselben Preis meinen.
Die Gegenprobe ist einfach: Multiplizieren Sie die beiden Zahlen. Kommt ungefähr 1 heraus, sind es zwei Schreibweisen desselben Kurses.
Viertens: Auf wie viele Einheiten
Neben manchen Währungen steht 100 oder 1.000, wo andere eine 1 haben. Das ist die Währungseinheit, auf die sich der Kurs bezieht — bei Forint, Yen oder Won ist es üblicherweise nicht eine Einheit, sondern hundert.
Der Fehler daraus ist unsichtbar: Das Ergebnis sieht plausibel aus und ist um den Faktor hundert falsch. Beim Forint fällt es besonders leicht, weil auch das falsche Ergebnis noch nach einem Reisebudget aussieht.
Ausführlicher steht das unter Warum der Yen billig aussieht.
Fünftens: Von wann
Jede Kurstabelle trägt einen Zeitpunkt, und er ist keine Formalie.
Die EZB veröffentlicht ihre Referenzkurse an jedem Bankarbeitstag gegen 16.00 Uhr MEZ. Das ist eine Momentaufnahme dieses einen Zeitpunkts, kein Tagesdurchschnitt. Läuft der Markt am Abend weiter, steht in der Tabelle bis zum nächsten Werktag trotzdem die Zahl von 16.00 Uhr. An Wochenenden und TARGET-Feiertagen wird gar nicht veröffentlicht — die Zahl, die Sie am Sonntag sehen, ist die vom Freitag.
Bankkurse werden je nach Haus mehrmals täglich neu gesetzt, Wechselstubenkurse oft nur einmal. Ein Aushang ohne Uhrzeit ist deshalb weniger wert als einer mit.
Was in keiner Spalte steht
Zwei Kosten tauchen in einer Kurstabelle grundsätzlich nicht auf, und beide können größer sein als der Unterschied zwischen zwei Anbietern.
Das eine ist die Provision. Sie ist heute selten geworden, weil die meisten Häuser ihre Marge in die Spanne legen, aber wo es sie gibt, steht sie als Fußnote und nicht in der Tabelle. Ein besserer Kurs mit einem Prozent Provision verliert gegen einen schwächeren ohne.
Das andere ist der Mindestbetrag oder Staffelkurs. Manche Anbieter zeigen den Kurs, der erst ab einer bestimmten Summe gilt, und rechnen darunter schlechter ab. Die Frage danach ist die einzige, die man am Schalter wirklich stellen muss — zusammen mit der nach dem Betrag, den man am Ende in die Hand bekommt.
Die Prüfung in dreißig Sekunden
| Frage | Wo es steht |
|---|---|
| Wer veröffentlicht? | Kopf der Tabelle |
| Ankauf oder Verkauf, Devisen oder Sorten? | Spaltenüberschrift |
| Mengen- oder Preisnotierung? | Kurshöhe, Gegenprobe durch Multiplikation |
| Auf wie viele Einheiten? | eigene Spalte, meist ganz links |
| Von wann? | Kopf oder Fuß, oft klein |
Wenn alle fünf beantwortet sind, ist die Zahl brauchbar. Und eine sechste Prüfung kostet nichts: Rechnen Sie einen Betrag um, dessen Größenordnung Sie kennen — ein Kaffee in Prag um die 60 CZK, ein Mittagessen in Zürich um die 25 CHF. Liegt das Ergebnis um eine Zehnerpotenz daneben, sieht man es sofort.
Die Referenzkurse mit Einheit und Datum stehen in der Währungsübersicht, und der Währungsrechner rechnet bereits je Einheit.
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Häufige Fragen
Über das, was zwischen dem Referenzkurs und Ihrem Kontoauszug passiert: wie die EZB-Liste entsteht, warum das Kartensystem einen anderen Kurs abrechnet, was die dynamische Währungsumrechnung am Terminal kostet, wie sich Reisekosten in Franken oder Złoty planen lassen und wie abgeleitete Kreuzkurse zustande kommen. Wir rechnen die Beispiele mit echten Zahlen durch.
Nein. Die Texte erklären Mechanismen und rechnen Beispiele vor, sie empfehlen keine Entscheidung und prognostizieren keinen Kurs — schon deshalb nicht, weil die EZB je Arbeitstag nur einen einzigen Referenzkurs veröffentlicht und daraus keine Prognose folgt. Wir sind weder Bank noch Wertpapierunternehmen noch Finanzberatung. Für Entscheidungen über Kredite, Anlagen oder größere Umtauschgeschäfte sprechen Sie bitte mit Ihrer Bank oder einer zugelassenen Fachperson.
Ohne festen Zeitplan. Ein neuer Text entsteht, wenn es etwas Konkretes zu erklären gibt; bestehende Texte ergänzen wir, sobald sich Regeln oder Zahlen ändern — etwa wenn die EZB eine Währung aus ihrer Liste nimmt. Das Datum der letzten Änderung steht an jedem Beitrag, damit Sie sehen, auf welchem Stand er ist.