
Es gibt zwei Sätze, die beide stimmen und einander zu widersprechen scheinen. „Der Euro ist schwach, deshalb wird alles teurer." Und: „Die Inflation ist hoch, deshalb ist der Euro schwach." Beide beschreiben denselben Kreis, nur an unterschiedlichen Stellen.
Von der Währung zum Preisschild
Der Weg nach unten ist der besser verstandene. Wird der Euro gegenüber dem Dollar schwächer, kostet alles mehr, was in Dollar bezahlt wird — Rohöl, Gas auf dem Weltmarkt, Erze, Elektronik aus Asien.
Diese Verteuerung wandert durch die Kette: erst in die Einfuhrpreise, dann in die Erzeugerpreise, zuletzt in die Verbraucherpreise. Jede Stufe dauert Wochen bis Monate, und jede Stufe schluckt einen Teil.
Das Statistische Bundesamt veröffentlicht dafür getrennte Reihen — den Einfuhrpreisindex, den Erzeugerpreisindex und den Verbraucherpreisindex. Wer eine Wechselkursbewegung verfolgen will, sieht sie im ersten fast sofort, im zweiten mit einigen Monaten Abstand und im dritten stark abgeschwächt.
Warum nur ein Teil ankommt
Der Fachbegriff dafür ist Wechselkurs-Durchschlag, und er ist in einer großen Volkswirtschaft unvollständig. Die Gründe sind schlicht:
- Ein großer Teil des Preises im Laden entsteht im Inland — Miete, Löhne, Transport, Marge. Diese Anteile ändern sich nicht, wenn der Dollar steigt.
- Händler mit langfristigen Verträgen und abgesicherten Positionen geben eine Bewegung nicht sofort weiter.
- Unternehmen zögern, Preise wegen einer Bewegung zu erhöhen, die in drei Monaten wieder verschwunden sein könnte. Sie geben lieber Marge ab und warten ab, ob es bleibt.
Deshalb gilt für die Eurozone die grobe Regel: Der Durchschlag ist spürbar, aber weit von eins zu eins entfernt, und er zeigt sich erst über mehrere Quartale. Eine Kursbewegung von fünf Prozent macht nicht fünf Prozent Inflation.
Für kleine, sehr importabhängige Volkswirtschaften ist der Durchschlag deutlich größer. Das ist der Grund, warum Länder mit eigener kleiner Währung ihren Kurs so viel aufmerksamer verfolgen als die Eurozone.
Der Weg zurück
Die andere Richtung wirkt über einen längeren Zeitraum und über zwei Kanäle.
Der erste ist real: Steigen die Preise in einem Land dauerhaft schneller als bei seinen Handelspartnern, werden seine Waren im Ausland zu teuer. Die Nachfrage nach seiner Währung sinkt, der Kurs gibt nach. Das ist die Kaufkraftparität, und über Jahrzehnte hält sie recht gut.
Der zweite ist geldpolitisch und viel schneller: Hohe Inflation lässt eine Zinserhöhung erwarten, und die Erwartung allein stärkt die Währung schon, bevor irgendetwas beschlossen ist.
Diese beiden Kanäle zeigen kurzfristig in entgegengesetzte Richtungen. Genau deshalb sieht man an einem Tag mit hohen Inflationszahlen manchmal eine steigende und manchmal eine fallende Währung — je nachdem, ob der Markt zuerst an die Zinsreaktion oder an den Kaufkraftverlust denkt.
Was das für Ihr Geld bedeutet
Der praktisch wichtigste Punkt wird selten deutlich gesagt: Ein Kurs, der stillsteht, bedeutet nicht, dass die Kaufkraft stillsteht.
Wer 10.000 Euro drei Jahre lang unverzinst hält, hat am Ende 10.000 Euro. Was er dafür kaufen kann, hat sich um die aufgelaufene Inflation verringert — bei kumuliert zehn Prozent (angenommen) sind es real noch rund 9.100.
Für einen Umtausch heißt das: Wer Devisen hält, weil er auf einen besseren Kurs wartet, trägt nicht nur das Kursrisiko, sondern auch die Inflation der Währung, in der er wartet. Bei Währungen mit hoher Inflation — der türkischen Lira etwa — ist das der weitaus größere Posten. Ein hoher Zins auf ein Lira-Konto ist keine Rendite, sondern ein Ausgleich für erwarteten Wertverlust, und meist ein unvollständiger.
Der reale Kurs
Deshalb rechnen Ökonomen mit dem realen Wechselkurs: dem nominalen Kurs, bereinigt um den Inflationsunterschied zwischen beiden Ländern.
Es ist die Größe, die erklärt, warum ein Kurs, der über zehn Jahre gleich geblieben ist, trotzdem eine Verschiebung bedeutet haben kann — wenn im einen Land die Preise doppelt so schnell gestiegen sind wie im anderen. In der veröffentlichten Kurstabelle sieht man davon nichts.
Was man daraus mitnimmt
- Eine Kursbewegung merkt man im Laden verzögert und abgeschwächt, nicht sofort und nicht vollständig.
- Der Zusammenhang läuft in beide Richtungen, was jede einfache Ursachenzuweisung an einem einzelnen Tag unbrauchbar macht.
- Über Jahre entscheidet der Inflationsunterschied die Richtung eines Paares zuverlässiger als jede kurzfristige Erklärung.
- Für die eigene Planung zählt beides zusammen: der Kurs und die Kaufkraft der Währung, in der man wartet.
Wie weit ein Paar über die vergangenen zwölf Monate gelaufen ist, zeigen die Kursverläufe; die aktuellen Referenzkurse stehen in der Währungsübersicht.
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Häufige Fragen
Über das, was zwischen dem Referenzkurs und Ihrem Kontoauszug passiert: wie die EZB-Liste entsteht, warum das Kartensystem einen anderen Kurs abrechnet, was die dynamische Währungsumrechnung am Terminal kostet, wie sich Reisekosten in Franken oder Złoty planen lassen und wie abgeleitete Kreuzkurse zustande kommen. Wir rechnen die Beispiele mit echten Zahlen durch.
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